Die Schweizer Gesetzgebung für Energiezertifikate und Gebäudepässe orientiert sich an der EU Energy Performance of Buildings Directive (EPBD). Die EPBD schafft den rechtlichen Rahmen, welcher digitale Informationsinstrumente wie den Digital Building Passport (DBP) und das Digital Building Logbook (DBL) ermöglicht und teilweise voraussetzt. Diese digitalen Tools sollen helfen, die Ziele der EPBD (z. B. Energieeffizienzsteigerung, Renovierungsrate, Klimaneutralität) besser umzusetzen.
Gebäudepass Schweiz
Der Gebäudepass gliedert sich in 3 Teile01
Der Grundstückpass
Beinhaltet die Identifikation des Grundstücks und der Immobile (Gebäude, Wohnung) aus dem Grundbuch anhand der zugrunde liegenden Identifikationsschlüssel wie zum Beispiel Parzellen- und Katasternummer, eidgenössischer Grundstückidentifikator (EGRID), Gebäudeidentifikator (EGID), Wohnungsidentifikator (EWID) oder der GS1 Global Location Number (GLN), etc.
Herkunft: Grundbuch, Gebäudeversicherung oder GS1 ...
02
Das Digitale Dossier
In dieser zentralen Datenablage sind die relevanten Gebäudedokumente (z.B. Verträge, Pläne, Lieferscheine, usw.) abgelegt und können dort abgerufen oder mit einer externen Facility Management Datenplattform, z.B. SMINO, Dalux) verlinkt werden. Hier ist das Logbuch, die Objekte, Dokumente und Links verfügbar und die Bildung von individuellen Objekten möglich.
Verwaltung der Material- und Wartungsdaten
03
Die Inventarliste
Mit der Inventarliste werden alle im Gebäude zu verbauenden Materialien, Produkte und Dienstleistungen durch das Scannen des jeweiligen Produkt Identifikationsschlüssels (z.B. GS1 Barcode, QR Code, DPP URL, etc.) erfasst. Dieser Prozess wird in der Form eines Logbuchs (ereignisbasiert) dokumentiert, welches im Digitalen Dossier abrufbar ist.
Herkunft: Wareneingang der Baustelle bzw. des Gebäudes
Gesetzliche Grundlage
Ökologie
Rück- und Nachverfolgbarkeit
Danach verifiziert der Gebäudepass Schweiz zum einen im Sinne der Rückverfolgbarkeit welches Produkt mit welchen Eigenschaften verbaut wurde, also z.B. Wo wurde das Produkt hergestellt? Welchen CO2- Fussabdruck hat dieses Produkt?
Zum anderen erfasst er zusätzlich aber auch bezüglich Nachverfolgbarkeit die Wartung, Inspektion und Verwaltung des Gebäudes und seiner Produkte über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
Dies unterstützt die systematische, gründliche Prüfung eines Grundstücks, Gebäudes, Bauprojekts oder einer Transaktion, um Chancen und Risiken vollständig zu verstehen, bevor eine Kauf-, Verkaufs- oder Sanierungs-Entscheidung getroffen wird ('Due Dilligence').
Treibhausgasemissionen
Treibhausgasemissionen fallen in allen Lebenszyklusphasen eines Gebäudes an, z. B. bei:
- der Gewinnung und Aufbereitung von Rohstoffen
- der Herstellung von Baumaterialien (z. B. Beton, Stahl, Glas, Dämmstoffe), einschliesslich energiebedingter und prozessbedingter Emissionen
- dem Transport der Materialien
- dem Bauprozess selbst sowie dem späteren Rückbau, Umbau und Recycling
- dem Betrieb des Gebäudes (z. B. für Heizung, Kühlung, Strom und Unterhalt)
Treibhausgasemissionen sind somit die „eingebaute und betriebsbedingte Klimawirkung“ eines Gebäudes und werden in CO₂-Äquivalenten über den gesamten Lebenszyklus bilanziert.
Der Gebäudepass Schweiz erfasst Klimaemissionen, weil
- sie – zusammen mit den Betriebsemissionen – die gesamte Klimawirkung eines Gebäudes bestimmen und insbesondere die sogenannten „vorgelagerten Emissionen“ (analog zur grauen Energie) einen erheblichen Anteil ausmachen können
- sie unerlässlich für eine fundierte Lebenszyklus-Bewertung (LCA) und die Erreichung von Klimazielen sind
- nachhaltige Bau-, Betriebs- und Sanierungsentscheidungen direkt auf der Reduktion dieser Emissionen basieren
Die Grundlage für Re-Use
Die Wiederverwendung von Bauprodukten und -komponenten ist nur dank einer einheitlichen, globalen Kennzeichnung auf Basis der offenen GS1-Standards möglich. Diese Kennzeichnung liefert Informationen über Zusammensetzung, Herkunft und Standort des Produkts und ermöglicht so eine fundierte Entscheidung über dessen Wiederverwendung für einen zweiten, dritten oder sogar n-ten Lebenszyklus.
Standardisiertes Strukturmodell
Der Einsatz eines standardisierten Strukturmodells ist entscheidend, um Bauprojekte und die dazugehörigen Daten entlang des gesamten Lebenszyklus klar zu gliedern, nachvollziehbar zu dokumentieren und effizient zu steuern. Solche Modelle definieren Phasen, Verantwortlichkeiten und Informationsstände und schaffen damit eine verlässliche Grundlage für Planung, Umsetzung und Betrieb. Für den Gebäudepass ist diese Struktur besonders wichtig, da sie eine konsistente, vollständige und qualitätsgesicherte Datenerfassung ermöglicht. Dabei ist nicht ein spezifisches Modell vorgeschrieben - neben dem SIA 102 Phasenmodell, eignen sich insbesondere lebenszyklusorientierte und integrierte Projektabwicklungsmodelle wie Design Build dazu, den Gebäudepass gewinnbringend zu integrieren und so Vergleichbarkeit und Transparenz über den gesamten Lebenszyklus zu gewährleisten.
01
Strategische Planung
Unterstützung des Entscheides zum Neubau oder Umbau eines bestehenden Gebäudes
02
Vorstudien
Nutzung relevanter Informationen zum Scouting von Bauteilen
03
Projektierung
Vitalisierung des BIM-Modell’s mit genauen Produktedaten
04
Ausschreibung
Konkrete Materialdaten auf Grund der im BIM Modell hinterlegten Produktecodes
05
Realisierung / Ausführung
Implementierung einer mehrwert-stiftenden Baustellen-Logistik
06
Bewirtschaftung
Betrieb / Nutzung der Baute mit langfristigem und nachhaltigem Daten-Management aller relevanten Parameter